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Tuesday, July 18, 2023
Siemens beendet das Geschäft zu chinesischer Rüstungsfirma
Dana Heide,Martin Murphy

Berlin Der Technologiekonzern Siemens hat seine umstrittene Kooperation mit dem chinesischen Rüstungsunternehmen Transemic beendet. Alle Transaktionen mit dieser Firma seien blockiert, sagte ein Siemens-Sprecher dem Handelsblatt.

Die US-Behörden hatten Transemic am 12. Juni auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Transemic habe „nachweislich Verbindungen zu bedenklichen Aktivitäten, einschließlich der Entwicklung von Hyperschallwaffen, der Konstruktion und Herstellung von Luft-zu-Luft-Raketen“, erklärte das US-Handelsministerium den Schritt.

Wie das Handelsblatt im April berichtete, hatten das chinesische Unternehmen Transemic und andere Geschäftspartner von Siemens in China in den vergangenen Jahren Simulationssoftware des deutschen Industriekonzerns an dem chinesischen Militär nahestehende Forschungseinrichtungen weiterverkauft.

Die Forschungsinstitute, auch „Sieben Söhne der Landesverteidigung“ („Seven Sons of Defense“) genannt, sind zentral für die Aufrüstung des Landes. Die weiterverkaufte Siemens-Software kann unter anderem für die Optimierung von Militärfahrzeugen und Flugzeugen benutzt werden.

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Die Weitergabe der Siemens-Software ist auch vor dem Hintergrund brisant, dass Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping seit Jahren das chinesische Militär vergrößert und modernisiert und international immer offensiver auftritt.

Siemens will keine Kenntnis über Weiterverkauf an Militär-Unis haben

Auf seiner Webseite nennt Siemens zahlreiche Beispiele für die Verwendung der Software im Rüstungsbereich. So nutzen sie etwa das schwedische Militär und der britische Waffenhersteller BAE Systems.

Die USA haben vor einiger Zeit bereits gegen die „Seven Sons of Defense“ Sanktionen verhängt, Transemic aber bisher ausgeklammert. Siemens selbst wollte die Verbindung zu Transemic auch nicht beenden, nachdem das Handelsblatt und die „Washington Post“ über den Weiterverkauf seiner Software an die Militär-Universitäten berichtet hatten.

Demnach hatte Transemic im Jahr 2020 die Siemens-Software an das Beijing Institute of Technology veräußert, die auf der schwarzen Liste der Amerikaner steht. Die Universität ist laut dem australischen Thinktank ASPI ein führendes Zentrum für militärische Forschung in China. Die Hochschule selbst erklärt, dass sie das nationale Spitzenniveau in den Bereichen „Präzisionsschlag, effiziente Zerstörung und mobile Überraschungsabwehr“ repräsentiere.

Die Münchener hatten nach eigenem Bekunden keine Kenntnis von dem Weiterverkauf ihrer Software an die Militär-Universitäten. Dabei sind die Dokumente für den Verkaufsprozess öffentlich zugänglich.

Vor dem Hintergrund der Medienberichte hatte Siemens das Geschäft mit Transemic bereits zurückgefahren. Nun ist endgültig Schluss.

Handelsblatt
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